er wuchs an einem ort auf, wo es mehr bunker als häuser gab — unter dem "largest moon on earth": der erste seiner art mit fünfundzwanzig metern im durchmesser. damals war ahrendahls wiese schon keine wiese mehr.

 trotzdem lief er viel umher, so wie man auch früher umhergelaufen war.

… (leises summen)

… (man pfeift ein lied, um ein lauteres zu übertönen)

… (echo)
 
und in all dem kam es ihm manchmal vor, als könnte sich nicht mal ein lied hinüberretten.

opium und haschisch kannte man schon kaum mehr, so lange hatte es nichts mehr gegeben. und es war bei speedkills, wo damals die üblichen mittel gegen den reizhusten und die zum erhalt der darmflora und die vitaminpräparate auf die haushalte zugeteilt wurden. dort arbeitete er. bisweilen gab es bücher aus der reihe "die welt ist eine einladung", die den päckchen zugeordnet werden mussten — eine art progandandistische erbauungsliteratur. aber obwohl man es exakt recherchiert hatte, konnte man leicht den holzigen stil der sprache der feinde darin erkennen. am ärgerlichsten vielleicht der satz "der krieg gegen die bäume und die erde ist ein krieg unter einhaltung der menschenrechte." naja, eigentlich gab es sehr viele ärgerliche sätze.

er erinnerte sich gut, wie er mit dem vater aus dem kleinen fenster über der alten werkbank gelugt hatte, starr vor angst. stunden später gab es entwarnung und sie hatten beinahe hysterisch gelacht. aber man liess nicht nach. und wennn auch der erste versuch misslang, dann versuchte man es eben ein zweites und drittes mal und dann funktionierte es.

bisweilen redete man von krieg, aber ihm sagte das alles nichts. und hätte man ihm eine pistole auf die brust gesetzt, er hätte nicht gewusst, dass einem jetzt zu anderen zeiten etwas unumstössliches eingefallen wäre. frieden machen? angenommen, er könnte ein klein wenig witzig sein in dieser situation, hätte er vielleicht das wort "videoschutzanlage" vor sich hin gesagt. (leises summen. dann der schuss.)

… und wenn er lachte, war es eigentlich nur die erinnerung an die augen seiner ersten geliebten.

freitags gab es drüben im compactRoom metro-parties. das interessiert dich nicht? aber lass mich wenigstens erzählen, wie er sie das erste und letzte mal sah. (die geschichte geht zu ende. achtung: porno.) die szene ist eine szene, in der mehrere szenen ineinanderfliessen: während sie ihm einen bläst, sinkt er mehrmals in halbschlaf. mehrmals hat sich die empfindung mit seinen träumen und alpträumen vermischt, mehrmals ist er wieder aufgewacht, mehrmals hat er geschrien. (man könnte solche details mit liebe ausmalen. aber woher die liebe nehmen?)

zuerst gab es immer ein problem, was einschliesst, dass da etwas ist, das nicht existiert und vielleicht nicht einmal existieren kann –

das problem zieht kreise und baut barrikaden gegen die immanenz der unguten lehre vom guten: alles in ordnung oder sogar witzig finden zu müssen.

dann ein gestaffelter prozess einer wiedergeburt aus erinnerungen. — wie fühlt sich ein kuss an? (begegnung zweier menschen, die sich berühren und zugleich "nicht einfach" berühren können, die sich zeigen und zugleich voreinander verschleiern, die sich unendlich fremd sind und zugleich bekannt vorkommen und sich hingeben und etwas voneinander wollen. die einsamkeit als moment unserer liebe spendet uns lust an der permanenten bewegung.)

mythische erinnerungen: wie war es, als ich keinen festen wohnsitz hatte, aber viele kinder? entzücken und verglimmen ist nicht das wahrhaftigste, das wir hervorbringen können, aber es ist eine totale bedingung, innnerhalb derer meine und deine wahrhaftigkeit stattfinden muss — ein rahmen, in den ich gefügt bin und mich fügen muss und gegen den ich mich immer auflehne. — letzteres betrifft die logik meines körpers; sie ist nicht vernünftig, aber auch nicht kriminell.

das tragische sterben des helden ist die permanente karrikatur des todes der bewegung, eines endes von "aufführung". — wenn ich mich aufführe, wenn ich kapriziös werde, weiss ich andererseits: "ich bin nicht bereit, zu sterben."

wir versuchen, die hemmungen, zerrungen, eingeschränktheiten, verschiebungen unserer körper zu neutralisieren, zu heilen. "bewegungstraining". (waren denn die spiele unserer kindheit schon immer unfrei?) aber wie wäre es mit einer hermeneutischen methode? denn die rahmen des künstlichen können manchmal liebender sein als eine liebesbeziehung: du schlägst mir in einem anflug von blindheit vor den kopf, aber auch darin finde ich mich wieder. — so wie gott in der schreibmaschine sitzt, erzählt mir deine physis etwas von ausgrenzung und eingrenzung des unmenschlichen im menschlichen: eine ungelenk(t)e geschichte. jede hemmung ist ausdruck und kritisches potential.


im siebzehnten jahrhundert hat man angefangen, automaten zu bauen, die je entweder menschliche oder tierische gestalt hatten und sich bewegen und die eine oder andere handlung ausführen konnten. für die mechaniker war es wohl eine sache von faszination und ehrgeiz, weshalb sie ihre baupläne geheim hielten. — auf der anderen seite gehörte es mit zum spiel, dass sich in der gesellschaft theorien entsponnen, die das funktionieren der automaten rational zu erklären versuchten. man stellte sich dabei vor, dass menschen in den automaten sitzen, um sie zu steuern. und da das durch die größenverhältnisse meistens völlig unmöglich war, wurden die theorien eigentlich komplizierter, als die mechanik der automaten.

sich in eine maschine hineinversetzen –

ein mann hatte einen streit mit seiner frau. (manchmal erinnert man sich an ein ereignis. und später erinnert man sich nur noch an die worte, die man nach und zu diesem ereignis gesagt hat. und noch später vergisst man den klang und den inhalt der worte. und etwas ist immernoch präsent, aber in form eines anderen, halbblinden bildes: so etwas wie steine, felsbrocken.)

ein mann und eine frau streiten sich. sie haben schatten, die sich siebenmal über den steinen brechen. sie ahmen die bewegungen der realität nach, aber sie tun es niemals zugleich.

"deine sprache verändert mein denken."

sie mag es, seine gedanken wie tänzer zu sehen und seine gesten als wiedererschaffung ihrer geschichte. sie versteht schnell, vergisst leicht.

"meine innere stimme gehört mir nicht."

nach diesem streit ging der mann in die garage und säbelte sich mit einer motorsäge den kopf ab. er war mehr eine maschine, als es eine maschine sein kann, denke ich. sein kopf war zu klar.

im liegestuhl hängen und regelschmerzen haben ist vielleicht keine weibliche perspektive, sondern eine ausgesprochen wissenschaft-liche, denke ich … — an heissen tagen hat die differenz von sonnigen und schattigen flecken auf den dingen mehr wirklichkeit als an anderen tagen und fast mehr wirklichkeit, als die dinge selbst. und grischa hat genausoviel realität, wie wenn er da wäre, nur eben eine andere : ich entscheide mich, wem ich warum meine aufmerksamkeit schenke, ich bin selbstbezogen, aber frei reflektierend, ich bin aktiv passiv, meine äußere arroganz ist zugleich eine innere müdigkeit oder aber andersherum uswusf. — "aufblitzende gedanken" — wie können gedanken aufblitzen …

 man tut etwas mit der sprache … (die welt am tatsachenzipfel fassen, verwaltung der pausenlosen destabilisierung des selbst, schuld zuweisen, vorwürfe machen (umgeleitete selbstrecht-fertigung), jammern, spitzfindigkeiten, befehle, forderungen, bitten (zweifach oder mehrfach umgeleitete selbstrecht-fertigungen), tratsch, einteilungen von gut und schlecht (selbstrecht-fertigungen durch verwaltung von mehr oder weniger scheinheiligen konformismen), absicherungen, absicherung der absicherungen, selbstkommentierungen, … )

aber warum hat man andererseits diesen drang, zu schreiben? — du zum beispiel bist einer, der das schreiben nicht als berufung empfindet, noch scheinst du es zu brauchen, noch willst du gelesen werden. vielleicht berühren wir uns darin doch — im sinne von: wir wussten es bisher nicht. — dir schreiben? du fängst mit der beschreibung einer berührung an, aber ich werde unvernünftig, sage "deine worte sind wahr!" deine anwesenheit löst sich im lesen deiner reaktion langsam in luft auf und ich kann meinerseits nicht mehr anworten: ich wollte einmal mehr die sprache selbst steigern … und zur strafe vermisse ich dich umso mehr. — die brennessel dort und der kirschkern hier sind zeichen unserer jüngsten vergangenheit. aber das ist ein pathetischer trost und kein tatsächlicher, denn diese schrift macht meine einsamkeit immer nur einsamer. (irgendetwas in mir schwört rache. aber rache an der sprache kann und wird immer wieder arbeit mit der sprache sein … )

ich blättere zurück und lese, was ich einmal schrieb: die sprache des sommers klingt verzückt, denke ich … jedes mal, wenn der sommer beginnt, habe ich das gefühl, aufzuwachen — und oft gehört das meer zum sommer und andererseits war das meer nie ein symbol des wachens.